Gattererhaus Toblach

Ein frühgotischer Bau im Dorfkern von Toblach.

Das materiell geteilte und anteilsweise als bäuerliches Wohngebäude genutzte sogenannte „Gattererhaus“ in der Rudolf-Schraffl-Strasse 2-6 in Toblach wird über dendrochronologische Analysen in die Zeit 1425/26 datiert. Der zweigeschossige Baukern ist noch heute im später vergrösserten Gebäude erhalten und ablesbar. Dieser mächtige Baukörper, seine Anlage und Ausstattung mit repräsentativem Anspruch ähneln weiteren frühgotischen und vorwiegend von Adel und Amtsadel errichteten Gebäuden in Toblach und sprechen für Bauherren oder Bewohner in gehobener Stellung.

Der Bestand des Gattererhauses wird um 1600 um den nördlichen Wirtschaftsteil verlängert und ist spätestens zu diesem Zeitpunkt als ehemalige Mau(r)erische bzw. später Schuesterische Behausung zugehörig zum nordöstlich daneben liegenden Ansitz Roter Turm. Der Bau erhält mit dem 1659 aufgesetzten und heute noch weitgehend erhaltenen Dachstuhl über dem Baukern bzw. jenem von 1815 über dem Wirtschaftsteil sein heutiges äusseres Erscheinungsbild. Bemerkenswert ist die Wiederverwendung eines Bauholzes mit Fälldatum um 1387. Der Übergang von adeligem Besitz nach 1736 in vier Anteilseigner aus der Handwerkerschicht schlägt sich lediglich in baulichen Veränderungen im Inneren nieder. Die beiden Bauphasen des 19. Jahrhunderts hingegen – eine erste zwischen 1814 und 1820 und eine nach der Übermurung Toblachs und Wahlens 1882 – führen mit Einzug weiterer Binnenteilungen, der Schaffung von Wohnräumen im Dachgeschoss, der Neuausstattung mit Täfelungen, Türen und Fenstern, sowie nicht zuletzt vermutlich auch der Umsetzung der heute erhaltenen Fassadenfassung auch zu Veränderungen am Äusseren des Gebäudes. Der ersten Hälfte bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts sind nur vereinzelte Ausstattungen und bauliche Veränderungen zuzuordnen, in der zweiten Hälfte und am Ausgang des 20. Jahrhunderts erfolgen vorwiegend Adaptierungen in Bezug auf den Wohnkomfort wie der Einbau von Sanitärräumen und neuen Fenstern, sowie vereinzelte Baumassnahmen im Wirtschaftsteil.

Arbeitszeitraum2025-2026
BearbeitungBarbara Lanz, Sonja Mitterer
ProjektpartnerLandesdenkmalamt Bozen
Dr. Thomas Pichler, Universität Innsbruck
Mag. Elmar Rainer, Toblach